Interview mit Marc Bernath, Geschäftsführer qb³ Management Consultants GmbH

Und noch ein Kostensenkungsprogramm …

Eine Milliarde Euro Einspareffekte hat die qb³ Management Consultants GmbH bei ihren Klienten seit ihrer Unternehmensgründung 2005 identifiziert. Ihr Lösungs-Ansatz kümmert sich dabei zwar auch um die Behebung der Symptome, nimmt aber vorrangig die Ursachen unnötiger Kosten und ihre wirkungsvolle Beseitigung ins Visier.

Sehr geehrter Herr Bernath, in den Unternehmen gibt es eine Vielzahl von ehrgeizigen Kostensenkungsprogrammen. Die wenigsten davon davon aber sind dauerhaft erfolgreich.

Selbst wenn sie Kosten senken, könnten sie vor allem weit bessere Einsparergebnisse erzielen. Das liegt daran, dass viele Programme zu einseitig angesetzt sind und damit nicht die Ursachen der hohen  Kosten beheben.

Viele Kostensenkungsprogramme betreffen die IT. Da werden Preise mit Dienstleistern neu verhandelt oder unnötige Informationstechnologie wie die Speicherkapazität gekürzt. Natürlich summieren sich auf diesem Wege durchaus einige Millionen an Einsparungen.

Aber der kritische Betrachter fragt sich berechtigt: Warum wurden die Preise nicht gleich von Anfang an richtig verhandelt oder die unnötige IT überhaupt gekauft? Dann wäre das Unternehmen erst gar nicht unter Zugzwang geraten, ein Kostensenkungsprogramm initiieren zu müssen.

Sie sind ein Gegner solcher Vorgehensweise?

Im Kern ja, denn: Wenn ich mich nur darauf beschränke, die Symptome eines tiefgreifenden Missverständnisses von einer IT-Organisation zu behandeln, erziele ich nur kurzfristig Wirkung. Solche Kostensenkungen haben zum Beispiel schnell natürliche Grenzen, die durch das Geschäft und den IT-Markt vorgegeben sind. So können Preise nur begrenzt verhandelt werden, denn schließlich muss sich das Geschäft für die andere Seite auch noch lohnen.

Und die Überkapazitäten sind irgendwann auch abgebaut.

Dann stellt sich die Frage: Was kann man danach noch tun?

Besser wäre zu fragen, was hätte man von Anfang an besser getan? Will ein Unternehmen mehr als die üblichen Einsparungen erzielen – wovon ich ausgehe –, dann muss es die gesamte Organisation seiner IT verbessern und nicht nur an einzelnen Schrauben drehen. Zu den Haupthebeln zählen:

  • Komplexität reduzieren, angefangen bei den Geschäftsprozessen
  • Anwendungsentwicklung und Betrieb industrialisieren
  • Virtualisierung und Automatisierung bestmöglich nutzen
  • Zusammenarbeit der IT mit Einkauf und IT-Abteilungen verbessern
  • Unabhängigkeit von IT-Anbietern erzielen

Erst diese „game changer“ verändern die IT nachhaltig: Effektivität und Flexibilität werden erhöht und dabei noch immense Kosten gespart. Der Anteil der „game changer“ an den von uns ermittelten Einspareffekten liegt zum Beispiel bei unseren Klienten bei beachtlichen 527 Millionen Euro.

Sie empfehlen viele Schritte …

Marc Bernath… bei deren Umsetzung man im Sinne eines ganzheitlichen Kostensenkungsprogrammes in mehreren Wellen denken sollte bzw. muss. Im ersten Schritt ist es sinnvoll, grundlegend aufzuräumen. Also zum Beispiel mit IT-Anbietern Preise und Leistungen neu zu verhandeln und Überkapazitäten abzubauen. Die Effekte dieser ersten Aufräumaktion sind auch am schnellsten spürbar.

Danach muss sich das Unternehmen darauf konzentrieren, Transparenz zu schaffen und Mengen zu reduzieren. Maßnahmen sind hier zum Beispiel die Anzahl der Lieferanten zu verringern oder Verträge mit Dienstleistern anzupassen.

Daran schließt sich als nächster Schritt die Standardisierung und Industrialisierung der IT an. Dieser rüstet das Unternehmen für die letzte und höchste Ebene der IT- und Business-Innovationen.

Wie lange benötigt ein Unternehmen, alle Maßnahmen umzusetzen?

Alle dieser Wellen lassen sich im Rahmen der von uns entwickelten Methode „Total Performance Optimization“ (TPO) in ein bis zwei Jahren bewältigen – je nach Größe der Organisation.

Durch TPO-Projekte haben unsere Klienten bereits rund 324 Millionen Euro an IT-Kosten eingespart. Weitere Einsparungen in Höhe von 222 Millionen Euro befinden sich derzeit in der Umsetzungsphase.

Das Interview führte Susann Leder (freie Fach-Journalistin) /// München, Juli 2010